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Mut zum grauen Haar

Den ergrauten Schopf färben? Das machen immer weniger Frauen. Wie sie ihre Haare gekonnt in Szene setzen
von Angelika Brodde, 01.10.2015

Wir werden nicht nur immer älter, wir bleiben auch länger aktiv und agil. Laut einer Erhebung des Statistischen Bundesamts sagen vier von fünf Senioren: "Mir geht es gut, ich fühle mich gesund." So viel Vitalität macht selbstbewusst. Die grauen Haare färben? Das tun immer weniger. Und sie liegen damit voll im Schönheitstrend. Weiß wird aktuell als das neue Blond gefeiert, immer mehr junge Prominente ergrauen mit Absicht – und ihre weiblichen Fans eifern ihnen nach.

Auch Irina Rotgans, Apothekerin im Hamburger Stadtteil Winterhude, berichtet: "Ich berate immer häufiger ältere Damen, die sehr modisch gekleidet sind, sich für Make-up und Anti-Aging-Cremes interessieren und ihre weißen Haare mit sehr modernen Schnitten zur Schau stellen."

Der Weg zur silbernen Vorzeigemähne ist allerdings nicht ganz leicht. "Es gibt so viele Grau- und Weißtöne wie Menschen", sagt Claus Hagenhoff, Friseur und Farbexperte aus Berlin. Hinzu kommt: Jeder von uns ergraut anders.

Salz-und-Pfeffer-Look

Je nach Veranlagung wachsen helle Strähnen schon mit 25 oder erst in sehr hohem Alter. Bei den meisten sprießen zunächst über den gesamten Kopf verteilt einzelne weiße Haare, die zusammen mit dem dunkleren Haar grau wirken und einen Salz-und-Pfeffer-Look entstehen lassen.

Das mittels Chemie zu kaschieren, also zu Farbe zu greifen, habe seine Tücken, sagt Hagenhoff. Weil sich mit den Jahren nicht nur die Haar-, sondern auch die Hautfarbe verändere, entstehe durch den altgewohnten Ton von früher eine optische Unstimmigkeit. "Plakative Farben passen nicht zu zarter Haut, selbst Aschblond ist meist zu dunkel." Der Experte empfiehlt, für die Übergangsphase nur Strähnen im ursprünglichen Ton färben zu lassen. Der Vorteil: Es entstehen keine harten Ansätze.

Neue Farbe, neue Herausforderungen

Wer komplett ergraut ist und dazu auch stehen will, sollte sich mit neuen Pflegeprodukten eindecken. Vor allem brauchen helle Haare Sonnenschutz. "Pigmente verhindern eine gewisse Zeit lang, dass UV-Strahlen chemische Verbindungen in der Haarfaser auflösen, indem sie sie in harmlose Wärme umwandeln", erklärt der Berliner Dermatologe Dr. Andreas Finner. Silberschöpfen aber fehlen die Pigmente. Die Sonne kann ohne Hindernis bis in die Keratin-Bindungen vordringen, die dem Haar seine feste, glatte Beschaffenheit verleihen.

Die unschönen Folgen: Haare werden rau, laden sich leicht elektrisch auf, glänzen nicht und verfilzen schneller. Auch wird die Kopfhaut von sehr hellem Haar kaum geschützt. Wer mehrere Stunden lang die Sonne genießt – etwa im Urlaub am Strand oder beim Wandern in den Bergen –, trägt besser eine Kopfbedeckung. Lichtschutzsprays mit chemischen Filtern oder Kupfer bindende Shampoos sind ebenfalls sinnvoll. "All das beugt Haarschäden vor", sagt Finner.

Blaustichige Shampoos gegen den Gelbstich

Dass weiße Haare ganz eigene Ansprüche stellen, wissen auch die Kundinnen von Irina Rotgans: "Viele fürchten einen Gelbstich. Vor allem am Pony und an den Schläfen können auch Verfärbungen durch Make-up entstehen." Gegen den Gelbstich schaffen leicht blaustichige Shampoos (etwa mit Salbei-Extrakt) Abhilfe, sie gleichen die Verfärbung optisch aus und sorgen gleichzeitig für einen kühlen, silbrigen Schimmer. Ein weiterer Tipp von Expertin Rotgans: die Haare zwei- bis dreimal hintereinander mit einem normalen Shampoo waschen. Das spüle Stylingrückstände aus der Frisur.

Die andere Sorge heller Köpfe: Weil weißes Haar durch UV-Licht spröde und mit dem Alter zudem generell trockener wird, vermissen viele Frauen den Glanz in ihrer Frisur. Da hilft nur: pflegen, pflegen, pflegen. Produkte mit pflanzlichen Proteinen eignen sich gut dafür. Die Eiweißbausteine füllen Lücken im Haar aus, ohne dieses zu beschweren oder müde und kraftlos aussehen zu lassen. Am besten gleich eine komplette Serie verwenden (Shampoo, Spülung, Kur), so ergänzen sich die Wirkstoffe optimal.

Weiße Haare wachsen schneller und sind dicker

Dass weiße Haare besonders widerspenstig und nur schwer zu zähmen sind, ist übrigens keine Mär. Mittlerweile konnten koreanische Wissenschaftler belegen: Bei Grauhaarigen sind die Gene, die den Haarbaustein Keratin und die mit ihm verbundenen Proteine steuern, besonders aktiv. Deshalb wachsen weiße Haare tatsächlich schneller und werden dicker als pigmentierte. Schon nach zwei Wochen kann bei gefärbtem Haar ein deutlicher Ansatz zu sehen sein, ein Friseurbesuch zum Nachfärben wird notwendig.

Dafür haben wir keine Zeit, sagen viele der Kundinnen von Apothekerin Rotgans. Sie bleiben ihrem natürlichen Grau treu und empfinden die weiße Alternative dabei keinesfalls als zweitklassig: "Ich höre von allen, die Weiß tragen, dass sie sich damit einfach wohlfühlen."


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